Techniken zur Limitierung von Missgriffen

Gregor Trachsel
Chief Investment Officer
SG Value Partners AG
CIO Insights 4Q2013

Nach unserer Überzeugung ist es bei der Verwaltung eines Aktienportfolios essenziell, dass man «Eigenfehler» vermeidet. Wie beim Baseball, Tennis, Billard oder anderen Sportarten, bei denen die Technik eine Rolle spielt, muss man in erster Linie darauf achten, dass man keine eklatanten Fehler macht – bevor man versuchen kann, die Winner zu schlagen. Zu einer Zeit, in der Bravour, nicht aber Zurückhaltung, im Fokus der Meinungsmacher steht, mag dies unspektakulär, ja sogar langweilig klingen. Aber in unserer Branche ist ein solches Vorgehen vernünftig, und wir nutzen dabei hauptsächlich vier Methoden:

Erstens wollen wir die Geldfluss-/Liquiditätsfalle vermeiden. Bei populären Ansätzen wie einer indexgebundenen, momentumorientierten oder charttechnischen Anlagestrategie ist beispielsweise die Unterscheidung zwischen Kurs und Wert von sekundärer Bedeutung. Sie versuchen tendenziell, Geld in jene Aktien zu investieren, die sich aufgrund ihrer Marktkapitalisierung problemlos in grossen Volumen handeln lassen und die in letzter Zeit gestiegen sind, und missachten dabei den fundamentalen Wert dieser Aktien. Wir sind überzeugt, dass das klassische Value Investing im Verlauf der Zeit überdurchschnittliche Ergebnisse erbringt, weil es versucht, mit einer Sicherheitsmarge zu operieren, also der Differenz zwischen dem, was wir bezahlen und was wir erhalten.

Zweitens meiden wir Geschäftschancen in aufstrebenden Wachstumsunternehmen (jung, ungeprüft), im Hightechbereich (überaus dynamisch), in Mode und Trends (vom Konsumentenverhalten abhängig) sowie in anderen bei Anlegern beliebten Sektoren. Ein paar wenige Unternehmen mit diesen Merkmalen liefern zweifellos, was sie versprechen und gelegentlich noch viel mehr. Das Problem sind unserer Meinung nach für gewöhnlich die auf risikobereinigter Basis zu hohen Preise, denn jedermann hält Ausschau nach solchen Titeln. Mit anderen Worten halten wir die Finanzmärkte für zu effizient, als dass sich an ihnen mit hohen Erwartungen behaftete Aktien regelmässig zu Preisen erwerben lassen, die attraktiv genug sind, um mit der Zeit eine zufriedenstellende Portfoliorendite zu bieten.

Drittens schätzen wir eine unabhängige Entscheidungsfindung als rares und wertvolles Gut. Eine häufig gehörte Börsenweisheit lautet: der Markt hat immer recht. Diese Aussage ist unseres Erachtens ziemlich gefährlich. Zwar teilen wir die Meinung, dass freie Märkte einen ausgezeichneten Preisfindungsmechanismus bieten. Doch ist uns ebenfalls klar, dass sie stark und regelmässig von Mythen, Lärm, Verhaltenstendenzen und anderen irrationalen Faktoren beeinflusst werden. Am besten begegnet man diesen Gegenmächten, indem man die Dinge so autonom wie möglich überdenkt, den eigenen Grundsätzen strikt treu bleibt und den Markt nur «benutzt», wenn eine Transaktion zu deutlich vorteilhaften Bedingungen ausgeführt werden kann. Es klingt möglicherweise paradox, aber nicht dem Herdentrieb zu folgen trägt wesentlich dazu bei, eigene Fehler zu verhindern. Sollten wir schliesslich trotzdem eine falsche Entscheidung treffen, sind nicht die Märkte oder Unternehmen schuld, sondern ausschliesslich wir selbst.

Und last but not least geben wir Statistiken gegenüber Wetten den Vorzug. Die Rendite unseres Fonds sollte die Folge eines langfristigen und streng eingehaltenen Anlageprozesses sein, nicht aber das Ergebnis periodischer spektakulärer Ausschläge (nach oben oder unten) einzelner Werte. Unser rein von der Bewertung gesteuerter und unemotionaler Anlageprozess zeichnet sich dabei durch zwei Merkmale aus: (1) Replizierbarkeit/Breite und (2) Wiederholbarkeit/Tiefe. Die Replizierbarkeit/Breite bedeutet, dass wir diesen Anlageprozess – ungeachtet der Region, des Landes, der Branche, der Unternehmensgrösse, der Wettbewerbsdynamik, der Kundengruppen oder sonstiger Parameter – jederzeit auf geeignete Anlagesituationen anwenden können. Wiederholbarkeit/Tiefe bedeutet, dass uns dieser Prozess ermöglicht, beim Verkauf einer bestehenden Portfolioposition, bei der Reinvestition von Dividenden oder beim Zufluss neuer Gelder immer wieder auf ein ausreichendes Angebot von potenziellen neuen Anlageobjekten zurückzugreifen.

Mit freundlichen Grüssen

Gregor Trachsel
Chief Investment Officer
SG Value Partners AG

Themen & Gedanken