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CIO Insights 2Q2017
Wenn Akademiker die Renditen eines Anlagestils in theoretischen Backward-Tests prüfen, kommen sie gewöhnlich zum Schluss, dass Momentum und Value am besten funktionieren. Aus praktischer Sicht trennen diese beiden Stile jedoch Welten. Wir gehen im Folgenden auf einige der Gründe ein und zeigen auf, was die Konsequenzen für die Anleger sind.
Unter Momentum versteht man grundsätzlich, dass sich der aufwärts oder abwärts gerichtete Trend einer Aktie noch geraume Zeit fortsetzt. Im Wesentlichen handelt es sich um ein Trendfolgekonzept, das auf der technischen Analyse beruht und unter Umständen vereinzelt mit Fundamentalanalyse ergänzt wird. Ein Grossteil des Kapitalanlagegeschäfts beruht implizit oder explizit auf Momentum-Ideen: Als Momentum-Titel gelten aktuell die Aktien der «FANG» (Facebook, Amazon, Netflix und Google (jetzt Alphabet)) oder die «BAT» (Baidu, Alibaba, Tencent), also dominierende High-Tech und Social-Media-Firmen. In der Mitte der 2000er-Jahre waren es die «BRICS» (Brasilien, Russland, Indien und China später dann auch Südafrika), aufstrebende, rohstoffreiche Wachstumsmärkte die seit Beginn des Jahrhunderts einen rasanten Boom erlebten. Ende der 1990er-Jahre waren die «TMT» (Technologie, Medien, Telekommunikation) der letzte Schrei und in den 1960er-Jahren waren die Nifty-Fifty (weit verflochtene Konglomerate, deren Wachstum auf Financial Engineering beruhte) in Mode und so lässt sich diese Reihe beliebig erweitern.
Die wertorientierte Strategie lässt sich dagegen nicht so einfach kategorisieren. Sie beinhaltet eine konservative grundlegende Beurteilung des Nettowertes ausgewählter Unternehmen. Hauptziel ist es, unter Wert gehandelte Aktien zu identifizieren, und zwar durch die Beurteilung und Bewertung in jedem Einzelfall. Jeder Analyst arbeitet dabei unabhängig an seinem ganz spezifischen Portfolio von Anlageobjekten. Anders als bei der Momentum-Strategie geht es bei der wertorientierten Anlage um klar greifbare Unternehmensaspekte und nicht um unkontrollierbare Aktienkursschwankungen. Also gibt es hier auch keine eingängigen Namen, Akronyme und keine modischen Trends. Bei der Anlage in aktuell unterbewertete Papiere ergibt sich die langfristige Wertsteigung naturgemäss nach unterschiedlichen Zeiträumen, abhängig davon, wie stark sich die Lage des Unternehmens verbessert hat. Auf der Ebene des Portfolios führt dies somit zu einem eher zufälligen Zeitpunkt der Realisierung der Wertsteigerung, unabhängig von dem generellen Börsenumfeld.
Die beiden Strategien unterscheiden sich daher grundlegend in ihrer Handhabe, will man mit ihnen erfolgreich sein. Momentum ist etwas für Trader, Spekulanten oder Spieler, aber nicht für Buy-and-Hold-Anleger. Einfach gesagt, Momentum funktioniert, bis es aufhört zu funktionieren. Momentum ist daher keine Strategie, mit der sich der Gesamtertrag über den Zinseszinseffekt steigern lässt. Der Trader ist immer von der nächsten grossen Idee abhängig, sobald die Dynamik der Preisbewegung in der letzten Position nachlässt oder sogar dreht. Dies hat zur Folge, dass das Risiko stets getimt werden muss, der Trader sich also anhand der Beliebtheit oder des erwarteten Verhaltens der Massen eine Meinung bilden muss. Kein leichtes Unterfangen, lehrt uns doch die Massenpsychologie, dass die Marktteilnehmer regelmässig auf anfangs vielversprechende Trends setzen, die letztlich nicht erfolgreich sind.
Dagegen taugt die wertorientierte Anlagestrategie nur für geduldige, langfristige Investoren und Sparer. Sie erfordert Disziplin und Durchhaltevermögen und zeichnet sich durch deren zeitlosen Zinseszinseffekt aus. Mit anderen Worten nimmt der Gesamtertrag im Verlauf der Zeit langsam, unstetig, schrittweise und nicht vorhersehbar zu. Der Value-Stil ist im Wesentlichen ein antizyklischer Ansatz und versucht, sich die irrationale Massenpsychologie zu Nutze zu machen, statt Gefahr zu laufen ihr zum Opfer zu fallen.
Kurzum, Momentum ist in der Praxis ein transaktionsbasiertes Produkt, das sich über Fintech-ähnliche automatisierte Tools, quantitative Lösungen sowie ETFs und andere passive Instrumente umsetzen lässt. Momentum-Akteure müssen sich permanent entscheiden, ob sie kaufen oder verkaufen wollen. Value und im weiteren Sinne die Buy-and-Hold-Anlagephilosophie beruhen dagegen auf Beständigkeit und Partnerschaft. Der Ansatz ist völlig wissensbasiert und folglich menschenabhängig. Daher kann er nur mithilfe eines Fonds oder einer eigenen Mandatsstruktur effizient umgesetzt werden.
Momentum gehört nicht zu unseren Kompetenzen. Wir überlassen dieses Feld gerne denjenigen, die darin besser sind als wir. Unsere Welt ist das Value Investing. Wir haben uns das immerwährende Ziel gesetzt, ein attraktives langfristiges Ergebnis für unsere loyalen Kunden zu erzielen.
Mit freundlichen Grüssen
Themen & Gedanken
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