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CIO Insights 2Q2009
Der grosse Kurssturz von Ende 2007 bis Anfang März 2009 und die anschliessend kräftige, unerwartete Kurserholung vieler kotierter Aktien und Anleihen konnten in den Performanceausweisen jedes Anlegers, der durch diesen Sturm zu navigieren versuchte, deutliche Spuren hinterlassen. Es ist deshalb angebracht, die Grundlagen in Erinnerung zu rufen, mit denen wir verhindern möchten, dass unser Anlageprogramm in Zeiten mit solch heftigen Schwankungen Schaden nimmt.
Wir haben viel und wiederholt über die Tugenden des «Compounding» geschrieben und gesprochen, d.h. den exponentiell positiven Effekt auf die Anlageresultate über längere Zeiträume, indem (1) Investitionsobjekte gewählt werden, bei denen Sicherheit des Kapitals und Angemessenheit der Rendite offenkundig erscheinen und (2) dieser Prozess diszipliniert und konstant wiederholt wird. Neben dem «Compounding » stützen wir uns bei unseren Anlageüberlegungen auf ein weiteres, noch viel grundlegenderes Element, nämlich das Konzept der «Normalität». Viele statistische Theorien, die in der Wirtschaft regelmässig angewandt werden, haben ihren Ursprung in der Normalität, wie die Normalverteilung in einer Verteilungsdichtefunktion oder die Mean Reversion in einer Zeitreihe. Für uns bedeutet Normalität in einem kapitalistischen Kontext, dass es trotz nervenzerreissenden Schwankungen wie diejenigen an den Finanzmärkten in einer Reihe von Parametern (Preise, Umsätze, Margen, Zinsen, Credit Spreads usw.) eine starke Tendenz gibt, sich letztendlich immer wieder auf einem wirtschaftlich rationalen Basisniveau einzupendeln. Mein Kollege Sven Sommer meint jeweils ganz trocken: «Am Ende wird alles wieder normal sein.»
Value-Anleger verlassen sich bei vielen ihrer Annahmen und beim Vertrauen in ihre analytische Arbeit implizit auf die Normalität. So schrieb Graham im Vorwort seines Buches «The Intelligent Investor» (Ausgabe 1973), eventuell in Erahnung des enorm schwierigen Finanzmarktumfelds, das praktisch eine Dekade anhalten würde: «Trotz all den Launen des Schicksals und den Verlusten, auch wenn sie nicht vorhergesehen werden konnten, darf doch davon ausgegangen werden, dass sinnvolle Anlagegrundsätze im Allgemeinen zu guten Resultaten führen. Von dieser Annahme muss unser weiteres Handeln gelenkt sein.» Und in jüngerer Geschichte, Ende Juni 2009, wurde Warren Buffett von einem Fernsehreporter gefragt, ob er in den Zahlen und bei seinen Beteiligungen bereits erste grüne Konjunktursprösslinge erkenne. Er verneinte ganz offen. Gleichzeitig verkündete er in gelassener Selbstverständlichkeit, dass sie früher oder später zu spriessen beginnen werden.
So einfach und langweilig es klingen mag, Normalität ist nur unter folgendem grossen Vorbehalt möglich: Wie beim «Compounding» ist Geduld gefragt. Für einen Marktteilnehmer mit einem kurzfristigen Anlagehorizont und/oder in einer finanziell heiklen Lage ist Normalität bestenfalls schwierig umsetzbar und schlimmstenfalls nicht anwendbar. Doch langfristigen Anlegern, die auf den Einsatz von Fremdkapital verzichten, hilft der Glaube an die Normalität, ohne Anlagestrategie konsequent weiterzuverfolgen – gerade dann, wenn die Zeiten am düstersten sind. Wir sind überzeugt, dass diese Grundeinstellung unseren treuen Anlegern in der Vergangenheit einen guten Dienst erwiesen hat und dies auch in Zukunft tun wird.
Mit freundlichen Grüssen
Themen & Gedanken
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